Ein kurzes ‘Hallo’ aus Oslo und eine kleine Geschichte…

Fühl’ dich wohl in deiner Haut! Das ist das Motto meiner Seite. Deshalb gibt es heute mal einen Beitrag der etwas anderen Art. Ich plauder’ einfach ein wenig aus dem Nähkästchen. Mir ist grad danach. Ich sitze nämlich in Oslo, in meinem Hotel in der Lounge. Morgen geht es weiter nach Island. Seit ich vor ca. 3,5 Jahren von meiner Schiffreise zurückgekommen bin will ich da hin. Damals konnte ich ein wenig ins Land schnuppern und ich hab’ mich verliebt!!! Und morgen sehn wir uns wieder. Endlich!

Ursprünglich hatte ich die Reise anders geplant. Ich wollte es super machen. Und lang. Und richtig. Ich wollte mit meinem Auto Karl nach Island düsen. In Dänemark die Fähre nehmen und dann mit Karl Island unsicher machen. Karl. Mein Auto. Mit Bett und drin schlafen und überhaupt. Karl eben. Tja…! Der Plan war gut. Leider aber auch ziemlich teuer und irgendwie hatte ich nie genug Geld dafür. Also hab’ ich die Reise immer und immer wieder hinausgeschoben. Weil wenn ich fahre, dann muss alles perfekt sein.

Nun ja, dieses Jahr hat Karl das Zeitliche gesegnet. Karl hatte Zahnriemen. Das ist wie Herzinfarkt. Aber ohne Happy End. Ein neuer Plan musste her. Und ein neues Auto. Dann bleibt kein Geld mehr für Island. Ich musste mich wohl oder übel von meiner perfekten Island-Reise-Vorstellung trennen, oder nochmal hinausschieben. Ich entschied mich für Ersteres. Innerhalb einer Woche war der Urlaub gecheckt, der Flug und der Mietwagen gebucht und ein neuer Reisepass beantragt. Das war vor 2 Wochen. Ja, manchmal geht’s schnell bei mir. Und wenn ich etwas kann, dann spontan. Ok, nicht immer, aber manchmal.

Heute ging’s los, erster Stop: Oslo! Auf dem Flug von München hierher (den ich übrigens fast verpasst hätte, war echt knapp!), hab’ ich Carina kennengelernt. Carina saß neben mir, ich hab’ den ‘Team Austria’- Aufdruck auf ihrer Winterjacke bemerkt und sie gleich angequatscht. Bin ja doch neugierg. Und ich bin froh dass ich’s gemacht hab, denn ich hab eine sehr faszinierende Persönlichkeit kennenlernen dürfen.

Carina ist 19 und hat mich mir ihrer fröhlichen und positiven Art gleich angesteckt. Und so haben wir fast den ganzen Flug (immerhin 2,5 Stunden) durchgequatscht. Carina ist Langläuferin und fährt im österreichischen Team, erzählt sie. Und ganz stolz hängt sie gleich noch dran, was sie denn schon alles erreicht hat, Olympia-Gold, zwei 4. Plätze, ein paar Weltcup-Siege. Ich ärgere mich ein wenig darüber, dass ich so wenig Fernseh gucke, denn ich hab’ tatsächlich noch nie von Carina gehört.

Aber ich erfahre mehr! Carina fährt im Behindertensport und war im März bei den Paralympics. Ich staune nicht schlecht, denn mir ist auf den ersten Blick keine Behinderung an ihr aufgefallen. Sie erzählt mir, dass sie durch eine ständig fortschreitende Krankheit mittlerweile nur mehr 2 % Sehkraft hat.

Wow. Sofort schiesst mir alles mögliche durch den Kopf. Ich gerade auf dem Weg nach Island um vielleicht noch Nordlicher zu sehen. Carina wird sie nie sehen können. Die ganze schöne Welt, die Natur, die Menschen, die Tiere, Sonne, Sterne, und und und. Ich spüre eine Welle Mitleid in mir aufsteigen. Aber davon scheint Carina nix zu brauchen. Ich hab selten so einen positiven Menschen getroffen. Sie hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden und konzentriert sich auf die Dinge die sie machen kann, nicht auf die die eben nicht mehr gehen. Ich bin ganz baff. Klar, gibt es schlechte Zeiten in denen das nicht immer klappt, aber die hat doch jeder! Sagt sie und lächelt mich an. Sie ist übrigens 19, hab ich das schon erwähnt??

Das Leben ist bezaubernd – man muss es nur durch die richtige Brille sehen!

Ich bin fasziniert von so viel Abgeklärtheit, so viel Positivität und von ihrem Strahlen! Ein Sonnenschein auf Reisen. Sie besucht nämlich ihren Freund in Oslo und freut sich schon sehr.

Nach der Landung gehen wir gemeinsam zum Gepäcksband, und ich helfe ihr ihren Koffer und den Ausgang zu finden. Hier wartet auch schon ihr Freund auf sie. Wir verabschieden uns herzlich und ich mache mich nachdenklich auf den Weg in die Stadt.

Warum erzähl ich euch diese Geschichte? Weil sie mich beeindruckt. Und weil ich denke, dass es sehr oft einfach nur die Einstellung zu gewissen Dingen ist. Zum Leben. Zu Schicksalsschlägen. Zum kaputten Auto. Wenn ich mich bewusst dafür entscheide, dass das Leben toll ist, so wie es ist, dann ist es so. Genauso kann ich mich aber auch dafür entscheiden, dass es kacke ist. It’s my choice.

Und wenn eine Carina es schafft das Leben von der schönen Seite zu sehen, sich darauf zu konzentrieren, was sie noch kann, und das zu geniessen, dann muss ich das doch auch hinkriegen.

Das Leben einfach öfter so nehmen wie es daherkommt und das beste daraus machen. Und dann geht’s nach Island eben mit dem Flugzeug und nicht mit dem Auto! Es ist doch eigentlich so einfach…und auch wieder nicht!

Wie geht’s dir damit?

Eine nachdenkliche aber gerade sehr dankbare Tanja aus Oslo…

Comments (4)

  1. Sehr schöner Artikel, der einerseits dazu veranlasst, die eigenen Maßstäbe zu überdenken und andererseits Mut macht, sich auf neue Erfahrungen und neue Bekanntschaften einzulassen (und dadurch bereichert zu werden).

  2. Hey Mausl!
    Viiieeelll Spaß… wow… darüber haben wir am Samstag garnicht gesprochen… :/ Sorry, hätte mir mehr Zeit nehmen müssen! Ich wünsch’ dir auf jeden Fall eine wundervolle Reise und viele wunderbare Eindrücke!!!! Grüß Oslo von mir, ist ja auch schon wieder 13 Jahre her… Wahnsinn, wie die Zeit vergeht!!!
    Ich drück’ dich ganz fest!!!!
    Dicks Bussal!!!!!
    Claudia

    1. Danke Mädl! Nana, das passt schon, am Samstag ist’s ja schließlich um dich gangen, da hätt ma dafür gar ka Zeit ghabt! Sooo lang schon wieder her, hab schon an di denken müssen in Oslo! Bussal!

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